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Wenn der Körper eine andere Sprache spricht

von Christoph Edenhauser & Markus Feistritzer

Wir drücken uns nicht nur über das Gesprochene aus. Oftmals verrät unsere Mimik und unsere Körperhaltung mehr als wir wollen oder uns bewusst ist. Durch das Aussenden inkongruenter Botschaften besteht auch die Gefahr sich leicht unglaubwürdig zu machen. Was es mit Nachrichten, (un-)bewussten Botschaften und deren (In-)Kongruenz auf sich hat, verrät Ihnen der heutige Blog.

Von Botschaften und Nachrichten…

Wie bereits im Beitrag von vergangener Woche erläutert, ist eine Nachricht ein Bündel aus vielseitigen Botschaften (gesendet vom Sender zum Empfänger). Diese verschiedenen Botschaften wiederum bestehen aus verbalen und non-verbalen Sprachanteilen. Dabei kommen vor allem implizite Botschaften beim Empfänger nicht immer korrekt an. Unter anderem wohl deshalb, weil diese Botschaften meist durch den „non-verbalen“ Sprachkanal (Mimik, Gestik, Tonfall und dgl.) ausgedrückt werden.

Die Konkurrenz zwischen Gesagtem und Körpersprache

Von einer Kongruenz spricht man, wenn die beiden Teile einer Nachricht (also das Gesagte und die Körpersprache) übereinstimmen. Inkongruente Nachrichten hingegen zeichnen sich dadurch aus, dass die verbalen und non-verbalen Signale im Widerspruch stehen. Diese zwei Fälle werden mit nachfolgendem Beispiel verdeutlicht:

Max kommt morgens in Büro, erblickt Anne und fragt sie: „Guten Morgen Anne, wie geht es dir?“

Kongruente Antwort:

Anne blickt gutgelaunt von ihrem Arbeitsplatz hoch und antwortet mit  strahlender Miene: „Dir auch einen wunderschönen guten Morgen. Danke, es geht mir ausgezeichnet“.

Inkongruente Antwort:

Anne sieht etwas erschrocken von ihrem Arbeitsplatz hoch, es entstehen ein paar Sekunden der Stille bis sie schließlich monoton antwortet: „Morgen, danke alles gut.“

Schulz von Thun führt in seinem Werk „Miteinander reden“ für die Qualifizierung des Gesagten als eine kongruente oder inkongruente Botschaft folgende vier Elemente an (Anmerkung: Die Ebenen kommen meist nicht getrennt voneinander vor, sondern ergänzen sich oft wechselseitig) (Miteinander reden 1:1981, S. 37):

1)  Situativer Kontext – die verbale Reaktion passt nicht zur Situation

Beispiel: Maxi kommt mit einer glatten Sechs in der Mathe-Schularbeit heim. Sie als Elternteil sagen freudestrahlend: Mein Sohn, das hast Du toll gemacht. Ich bin stolz auf Dich, weiter so!

2)  Art der Formulierung – wie etwas gesagt wird

Die Art der Formulierung lässt meist in Verbindung mit anderen Elementen Zweifel am Wahrheitsgehalt der Aussage aufkommen. Beispiel: Anna schreibt für gewöhnlich gute Aufsätze. Vor der Schularbeit sagt sie schulterzuckend und mit fröhlichem Gesicht: „Ich habe keine Ahnung, wie ich die Schreibaufgabe hinter mich bringen soll.“

3)  Körpersprache – Mimik, Gestik

Beispiel: Sie weichen dem Gruppenmitglied, das lt. Ihren eigenen Aussagen am meisten zum Teamerfolg beigetragen hat, ständig aus. Sie vermeiden direkten Blickkontakt mit dem „High-Performer“.

4)  Tonfall – Stimme

Bei manchen, besonders in heiklen Gesprächssituationen angewandten Floskeln kann man nur mit extrem viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl feststellen, wie die Aussagen tatsächlich gemeint sind. Beispiel: Ein Kunde beschwert sich in feinster Choleriker-Manier über die Qualität des gelieferten Produktes. Die stets freundliche Dame in der Reklamationsabteilung versichert dem verärgerten Kunden, dass der Artikel umgehend ausgetauscht wird. Des Weiteren betont Frau X., dass sich das Unternehmen schon jetzt sehr auf die weitere, stets äußerst angenehme Zusammenarbeit freut.

Achtung: Die Folgen von inkongruenten Botschaften können mitunter schwerwiegend für beide Seiten sein. Der Empfänger sieht sich oft mit widersprüchlichen Botschaften konfrontiert. Der Sender sagt beispielsweise, dass er sich wunderbar fühlt. Tatsächlich aber hat der Sender Probleme, über die er nicht reden will (er will Selbstoffenbarung vermeiden). Auf dem Appell-Ohr hört der Empfänger, dass der Sender nicht gestört werden will. Die Verwirrung ist perfekt! Fazit: Der Empfänger kann es dem Sender unmöglich recht machen, da die Nachrichten widersprüchliche Aufforderungen zur Handlung enthalten.

Feedback lautet das Zauberwort!

Eine klare Rückmeldung vom Empfänger zum Sender ist unerlässlich. Der Feedback-Geber (der Empfänger) kann so seine Verwirrung über die inkongruenten Botschaften ausdrücken. Dem Sender (Feedback-Nehmer) wird dadurch die Chance gegeben, die Situation entweder aufzuklären oder mitzuteilen, dass er selbst noch keine finale Stellungnahme beziehen kann bzw. will.

Der „Vorteil“ von inkongruenten Nachrichten aus Sender-Sicht ist, dass er sich nicht endgültig festlegen muss. Wenn alle Stricke reißen, kann der Sender zurückrudern („Das müssen Sie falsch verstanden haben“, „Das war anders gemeint“ und dgl.).

 

Einstweilen viel Spaß und Erfolg beim „Miteinander reden“,

Markus Feistritzer & Christoph Edenhauser

 

 

Verzeichnis und weiterführende Informationen:

Schulz von Thun, Friedemann: Miteinander Reden – Teil 1 Störungen und Klärungen, Hamburg, 1981

 

von Christoph Edenhauser & Markus Feistritzer | Kategorien: Projektmanagement

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