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ORGANISATIONSFORMEN IM PROJEKTMANAGEMENT, TEIL II: DIE AUTONOME („REINE“)-PROJEKTORGANISATION

von Markus Feistritzer

Heute stelle ich Ihnen eine weitere Projektorganisationsform vor, nämlich jene, in welcher SIE der alleinige Chef sind:  Sie tragen die volle Verantwortung für Ihr kleines, feines und eigenes „Unternehmen auf Zeit“! „BOSS allmächtig“ quasi – Perfekt! Um gut gerüstet und voller Motivation ins Vergnügen (anstatt ins Verderben!) zu starten, sollten Sie sich auch für diesen Artikel und die darin vorgeschlagenen Überlegungen (ausreichend) Zeit nehmen…

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1.) Was versteht man unter reiner Projektorganisationsform?

Salopp gesagt, handelt es sich hierbei um ein temporäres Unternehmen. Der Projektleiter ist der alleinige Vorgesetzte, er muss „nur“ die Kosten im Auge behalten.  Und trägt - ganz nebenbei erwähnt - dafür die volle Verantwortung! Bei näherer Überlegung gibt es natürlich noch viele andere Details, die es zu beachten gilt…

Typisch für eine autonome Organisationsform ist es, dass die Mitarbeiter einzig und allein dem Projektleiter unterstellt sind und dieser sowohl fachliche als auch disziplinarische Verantwortung hat. Für die Laufzeit des Projektes werden die Mitarbeiter aus ihren Linien „entlassen“. Nach Projektende werden die Teammitglieder anderen Projekten zugeteilt oder in projektfremde Abteilungen eingegliedert. Die Gefahr der Überschneidung zu anderen Stellen ist – durch eindeutige Befugnisse und die Regelung der Verantwortlichkeiten – gering. Dieser Umstand, die meist hohe Motivation der Projektmitglieder und die Identifikation mit dem Projekt (Team-Gedanke!) und die kurzen Kommunikationswege, machen sich vor allem in großen und terminkritischen Projekten bezahlt.

2.) Wo ist der Haken?

Wie bereits eingangs (s. Blog I dieser Serie) erwähnt, gibt es keine Organisationsform, die nur Vorteile bietet und völlig frei von „Herausforderungen“ ist. Die reine Projektorganisation wird für (meist längerfristige) Projekte mit einem gewissen Ablaufdatum angewandt. Zu personaltechnischen Problemen kann es kommen, wenn ein Projekt zu Ende ist und das nächste Projekt noch nicht angelaufen ist. Noch brisanter wird die Situation, wenn die Mitarbeiter und (vor allem der Projektleiter) am Projektende wieder in nicht-projektorientierte Abteilungen integriert werden müssen (Stichwort „Degradierung“). Auf die Schnelle fallen mir demnach die folgenden Minuspunkte zu dieser Organisationsform ein:

  • Schwierige Ressourcensituation (Auslastungsprobleme)
  • Häufiger Wechsel des Vorgesetzten durch diverse Projekte
  • Wiedereingliederung (in die Linie) nach Projektende birgt Konfliktpotenzial, verursacht Kosten, Know-How kann mitunter verloren gehen und dgl.

Es gibt auch Betriebe, welche über keine Linie verfügen, sondern eine völlig flache Organisation aufweisen und hauptsächlich (oder gar ausschließlich) Projekte durchführen. In solchen Unternehmen sind alle Wertschöpfungen in Projektform organisiert. Man spricht hier von „projektorientierten Unternehmen“.  In solchen Firmen gibt es nur projektbezogene Divisionen, keine produktspezifischen. Aufgabenbezogene Abteilungen (Administration, Personal, Einkauf, EDV, Buchhaltung etc.) existieren sehr wohl. Eine solche Unternehmensform ist z. B. in der Bau-Industrie (Anlagen-, Schiffsbau etc.) und auf dem Dienstleistungssektor (z. B. Beratungs- und Software-Firmen) anzutreffen. Die größten Vorteile sind wohl die hohe Mitarbeiter-Motivation (durch Job-Enlargement), die geringen Management-Kosten und die große Flexibilität.

Dass es Ihnen gelingt, Ihre Team-Mitglieder immer wieder aufs Neue zu motivieren und Sie sich in Ihrem Projekt stets über ungebrochenen „Teamspirit“ freuen können, wünscht

Markus Feistritzer

 

von Markus Feistritzer | Kategorien: Organisationsentwicklung, Projektmanagement

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