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NUDGING: GEHIRNWÄSCHE IM EIGENEN INTERESSE!?

von Christoph Edenhauser & Markus Feistritzer

Haben Sie schon etwas von "Nudging" gehört? Nur so viel: es ist keine topaktuelle Schminktechnik oder die saloppe Bezeichnung für eine „plumpe Anmache“. Durch Nudging (engl. to nudge: schubsen, stupsen) wird versucht, den Durchschnittsbürger zu klugen Entscheidungen anzuregen. Unterbewusste Erziehungsarbeit quasi, die ohne strikte Verbote zu einer besseren Verhaltensweise führen soll. Manche begrüßen die intuitiven Ratschläge, andere wiederum sprechen von Manipulation und Bevormundung. 

NUDGING – WAS IST DAS?

Nudging ist ein Konzept, das auf die Änderung unbewusster (schlechter) Verhaltensmuster abzielt. Die Psychomethode wird auch hierzulande angewendet, z. B. um die Bürger zu pünktlicher Steuerzahlung, vernünftiger Altersvorsorge anzuspornen, oder Energie zu sparen. Bei Bewerbern für politische Funktionen wird unter anderem Wert auf „hervorragende psychologische, soziologische, anthropologische, verhaltensökonomische bzw. verhaltenswissenschaftliche Kenntnisse“ gelegt. Im Bundeskanzleramt wird versucht, die Wirksamkeit der Gesetzesvorhaben mit Hilfe von Psychologen zu steigern (Rauner 2015: o.S.).

Kritiker befürchten eine „hinterhältige Gängelei“ und den Beginn des psychologischen Staates. „Nudging sei die Philosophie von Gutmenschen, die mit den Mitteln der Werbung operieren. Man versuche die Menschen von außen zu steuern, ohne ihre Kompetenz zu erhöhen“ (Rauner 2015: o.S.).

WIE WIRKSAM IST NUDGING?

Wie bereits erwähnt, macht sich der Staat die Erkenntnisse aus der Verhaltensökonomie zu Nutze, um „wirksam zu regieren“: Bürger werden „angestupst“, zu einer besseren Gesellschaft beizutragen, sich gesünder zu ernähren etc. „Es geht um einen völlig neuen politischen Ansatz. Man kann ohne Gesetze und Verordnungen seine Ziele erreichen“, schwärmt Cass Sunstein, der Autor des Bestsellers Nudge: Improving Decisions About Health, Wealth, and Happiness, 2008.

EIN SCHUBS IN DIE RICHTIGE RICHTUNG…

Nudging lauert anscheinend an vielen Ecken und Enden. So wurden z. B. in den USA, wo Fettleibigkeit eine „gewichtige Rolle“ spielt, die Speisen in Kantinen „richtig platziert“ (Obst als Nachspeise ist besser erreichbar als Süßigkeiten). Seit amerikanische Kinos beim Verkauf von Popcorn die Kalorienanzahl deklarieren müssen, ist der Verbrauch der kalorienhaltigen Körner enorm gesunken. Trotz Teilerfolgen stößt Nudging auf erhebliche Kritik. „Wir wollen keinen sanften Paternalismus“ heißt es in Deutschland, und „schwierige politische Entscheidungen sollten nicht durch Psychotricks umgesetzt werden“. Beispiele für Nudging in der deutschen Wirtschaft sind z. B. die Drucker-Default-Einstellung „beidseitig bedrucken“, die automatische Aufnahme in die betriebliche Altersvorsorge oder die verpflichtende Kennzeichnung der Energieeffizienzklassen bei Haushaltsgeräten (Dams et al. 2015: o.S.).

NUDGING KANN DAS GLÜCK DER BÜRGER STEIGERN

So lautet ein bekanntes Zitat vom amerikanischen Wirtschaftsprofessor und „Nudge“-Autor Cass Sunstein. „Wichtig ist es, die Prinzipien von Transparenz und Neutralität einzuhalten. Dann kann Nudging ein sehr erfolgreiches Instrument sein, um das Glück der Bürger zu steigern“, so Sunstein bei einem Besuch im deutschen Bundeskanzleramt (Dams et al. 2015: o.S.).

Dass Sie sich (freiwillig) an sinnvolle „ökonomische Spielregeln“ halten, Sie dadurch Ihr Glück steigern und Sie damit einen wesentlichen Beitrag zu einer funktionierenden Gesellschaft leisten können, wünschen,

Markus Feistritzer & Christoph Edenhauser

 

 

VERZEICHNIS UND WEITERFÜHRENDE INFORMATION:

Rauner, Max: Die Fliege im Klo - und die Stupser der Kanzlerin, 2015, in: Zeit online

Dams, Jan/Ettel, Anja/Greive, Martin/Zschäpitz, Holger: Merkel will die Deutschen durch Nudging erziehen, 2015, in: Welt online

 

von Christoph Edenhauser & Markus Feistritzer | Kategorien: VOON-Management GmbH

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