VOON-Management GmbH

Blog

„Human Errors“ – die Fehlerquote Mensch

von Christoph Edenhauser & Markus Feistritzer

„Ein kluger Mann macht nicht alle Fehler selbst. Er gibt auch anderen eine Chance“ (Winston Churchill, 1874-1965) Aus eigener Erfahrung wissen Sie: Fehler passieren! Und aus Fehlern lernt man! Sei es bei alltäglichen Situationen im privaten Kontext, als auch im beruflichen Umfeld. In sämtlichen Systemen sind wir tagtäglich mit Fehlern konfrontiert – und das scheint (bedingt) auch durchaus toleriert zu werden. Welche Fehler wir eigentlich machen und wie sich die Fehlerkultur am Arbeitsplatz auswirkt, lesen Sie heute.

Fehler passieren…

In der psychologischen Literatur kursieren zahlreiche Definitionen von Fehlern. Wir möchten Ihnen folgende Kernaussage nahelegen: „Fehler sind eine Abweichung von einem als richtig angesehenen Verhalten oder von einem gewünschten Handlungsziel, das der Handelnde eigentlich hätte ausführen bzw. erreichen können.“ (Padke-Schaub et al 2012: 40) Nachfolgend möchten wir Ihnen eine arbeitsprozessbezogene Fehlerklassifikation vorstellen. Die Klassifikation von Chapanis beruht auf folgender Annahme: Wenn man weiß, wo im Prozess und mit welcher Wahrscheinlichkeit Fehler passieren, besteht die Möglichkeit Gegenmaßnahmen einzuleiten. Dabei betrachtet man die unerwünschten Ereignisse innerhalb eines Arbeitsprozesses - unabhängig von deren Verursachung (vgl. ebd.):

  • Systematische Fehler (bestimmte Umstände ziehen bestimmte Fehler nach sich - ein gewisses Fehlermuster lässt sich erkennen)
  • Zufällige Fehler (lassen sich nicht verhindern – aber den Nachwirkungen kann entgegengewirkt werden)
  • Sporadische Fehler (unerwartete Ausreißer – wichtig für spezielle Sicherheitserfordernisse)

In diesem Zusammenhang möchten wir nochmals festhalten, dass ein Fehlverhalten, eine falsche Bedienung und dergleichen sowohl wissentlich als auch unwissentlich erfolgen kann. In den vorgestellten Fehlerarten wird der Faktor „Absicht“ bewusst außer Acht gelassen. In einer anderen Klassifikation - beispielsweise von Reason - werden Fehlerarten und Fehlerformen in Verbindung gebracht. Dabei werden die Fragen betrachtet, auf welcher Handlungsebene die Fehler passieren und ob diese mit Absicht gemacht wurden. (Padke-Schaub et al 2012: 48f.)

Doch was sind die Ursachen, warum „Human Errors“ überhaupt passieren? Dabei können Motivationsfaktoren sowie auch extern und intern ausgelöste Bedingungen eine Rolle spielen. Die Activation-Trigger-Theorie (1981) von Norman unterscheidet Fehler durch falsche Schemaaktivierung (slips) und Fehler durch kognitive Aktivität (mistakes). „Slips“ oder auch Ausrutscher genannt, sind Fehler wie beispielsweise Versprecher. Wohingegen „Mistakes“ Gedankenfehler darstellen, beispielsweise wenn der Kaffee statt in die Tasse in die nebenstehende Müslischüssel gegossen wird. (Padke-Schaub et al 2012: 50)

Aus Fehlern lernen

Kleine Fehler wie diese gehören zur Tagesordnung. Mit einer gesunden Portion Humor kann man aus vielen „Fehler-Situationen“ dennoch erhobenen Hauptes herausgehen. Bestenfalls lernt man daraus und verhindert die Wiederholung von gleichen Fehlern. Salz anstatt Zucker für den Vanillepudding verwendet? Dieser Fauxpas lässt sich durch eine Neuordnung des Küchenschrankes in Zukunft einfach verhindern. Schwieriger gestaltet sich der Umgang mit Fehlern im Berufsleben. Hier kommt es ganz darauf an, wie das Team und/oder die Führungskraft mit Fehlern umgeht. Grundsätzlich sollte man darauf achten eine Fehlerkultur aufzubauen, in der mit Fehlern konstruktiv gearbeitet wird.

Eine positive Fehlerkultur hat auch bedeutende wirtschaftliche Auswirkungen, denn Unternehmen mit guter Fehlerkultur haben die Tendenz zu gesteigerter Innovation und Profitabilität. Der Grund dafür liegt laut einer Studie in der Angst vor Fehlern in einem Unternehmen mit schlechter Fehlerkultur, da diese Angst ein exploratives Verhalten von Führungskräften und Mitarbeitern hemmt. (Geiwitsch 2010: 88)

 

Wir wünschen eine "fehlerfreie" Woche. Bis nächsten Montag,

Markus Feistritzer & Christoph Edenhauser

 

 

Verzeichnis

Badke-Schaub, Petra/Hofinger, Gesine/Lauche, Kristina (Hrsg.): Human Factors - Psychologie sicheren Handelns in Risikobranchen, 2. Auflage, Berlin, 2012

Geiwitsch, Alois: Fehler sind menschlich, in: QZ - Zeitschrift für Qualitätsmanagement, Nr. 11, 2010, S.86-88

 

 

von Christoph Edenhauser & Markus Feistritzer | Kategorien: Leadership

Einen Kommentar schreiben